Beschämung radikalisiert

Trotz schlimmster Verstrickungen kann man ein reines Image für die Nachwelt erzeugen
Quelle: Twitter/X (CultureExploreX)

Todesstrudel aus Scham und Wut

 

Die Härte, mit der Teile der Gesellschaft auf intellektuell wirkende Politiker und Politikerinnen reagieren, wirkt auf den ersten Blick irrational.

 

Sie provozieren ungewollt Feindseligkeit, die weit über politische Kritik hinausgeht. Auf einer tieferen psychologischen Ebene hat dieses Verhalten jedoch einen klaren Ursprung: ein Teil der Öffentlichkeit arbeitet seine Beschämungswut an intellektuell wirkende Figuren ab. 

 

Es geht dabei selten um Inhalte. Es geht um Verletzungen, die Menschen auf bestimmte Politiker projizieren, weil sie Eigenschaften verkörpern, die viele als Vorwurf gegen sich selbst empfinden: Bildung, Eloquenz, Reflexionsvermögen, internationale Anschlussfähigkeit, moralische Konsistenz. Kurz: ein Kompetenzniveau, das manche Charaktere im Kern verunsichert.

 

Der Mechanismus ist dabei immer derselbe: Wer sich intellektuell unterlegen fühlt, empfindet derartig kluge Differenziertheit als Demütigung. Wer Komplexität scheut, für den ist Nachdenklichkeit und Reflexionsvermögen auf der anderen Seite wie eine Anklage. Wer sich beschämt fühlt, sucht Schuldige.

 

Der amerikanische Gewaltforscher James Gilligan hat gezeigt, dass Scham bei sehr vielen Menschen eher nicht zu reuevoller Einsicht führt, sondern zu Aggression. Die Aggression richtet sich nicht auf die eigene Unzulänglichkeit, sondern gegen diejenigen, die diese Unzulänglichkeit sichtbar machen.

 

Beispielsweise wurde Robert Habeck nicht als Politiker kritisiert — er wurde und wird weiterhin von weiten Teilen der Social Media-Kundschaft als „Personifikationen der Demütigung“ bekämpft - allen voran von Markus Söder, der nicht nur einmal von Habeck bloßgestellt worden ist.

 

Aus Sicht der Radikalisierten sind solche Figuren nicht Menschen, sondern Symbole eines intellektuellen und moralischen Standards, den man selbst nicht erreicht und daher ablehnt. Die Folge ist eine Mischung aus Neid, Trotz und Rachefantasie.

 

Bürger, die sich selbst nicht radikal nennen würden, empfinden "die da oben" schon als Provokation und „die Klugen“, denen sie geistig und moralisch nicht folgen können oder wollen, gleichzeitig auch noch als Bedrohung. 

 

Politische Gegner und Teile der Medien (Springer/Döpfner: "Make FDP great again") registrierten im Wahlkampf 2024/2025, wie stark die Emotionen gegen diese Figuren die Gemüter erhitzte und entfachten daraufhin einen regelrechten Blutrausch. Immer wieder gaben sie dem Affen so viel Zucker, dass die im Wahlkampf zur Jagd ausgeschriebenen Personen bis heute Hass, Häme und Hetze ernten.  

 

Warum Klugheit als Überheblichkeit gelesen wird

 

Wenn Menschen mit geringer politischer und sozialer Bildung auf komplexe Politik treffen, entsteht häufig ein Gefühl der Ohnmacht. Diese Ohnmacht wird als narzisstische Kränkung erlebt. Der einfachste Weg, sie zu bewältigen, ist die Abwertung dessen, was man nicht versteht. So entsteht die klassische populistische Umkehrung:


Komplexe Lösungen werden als arrogant wahrgenommen — simple Lösungen als demokratisch, weil "das Volk sie versteht".

 

Politiker, die dem Reiz des Populismus widerstehen, geraten in diese Mühlsteine, weil sie genau das Gegenteil dessen repräsentieren, was populistische Politik anbietet, also keine einfachen Lösungen, keine Härte gegen den politischen Gegner, keine direkten Schläge unter die Gürtellinie.  Sie zögern, wo Populisten munter zuschlagen.

 

Das ist in einer gereizten, schamverletzten Öffentlichkeit ein Problem.
Differenziertheit bei der Benennung von Problemen und die feine englische Art bei der Präsentation von Lösungen, triggern Abwehr, weil sie implizit sagt: „Es ist zu kompliziert für dich, weil du zu dumm bist, es zu verstehen“ — und viele fühlen sich von diesem Satz - oh Wunder - persönlich kritisiert.

 

Intellektuelle machen es den Wählern aber auch schwer: Sie denken laut nach, statt Parolen auszugeben. Ihre Reflexion, Rücksicht, und Höflichkeit werden ihnen von einer bestimmten Menschengruppe als Schwäche ausgelegt und eine stumpfe Kampfregel, weit jenseits von jeglichem Sportsgeist gebietet es, einen Schwachen anzugreifen, schließlich kann man sich als (Wahl-)Kämpfer keine offene Flanke entgehen lassen.

 

Dies ist übrigens auch genau Putins Muster. Ebenso das der Abnutzung und Abstumpfung: Immer die selben drei Parolen gravieren sich ins tumbe Bewusstsein des Massenmenschen ein, während Intellektuelle darauf nicht mehr reagieren, weil es ihnen zu blöd ist, sich also auch nicht mehr wehren, bzw. zurückschlagen in ihrem naiven Glauben an guten Stil, Gerechtigkeit und Güte. ("If they go low, we go high")- Doch allein die quantitativen Verhältnisse zwischen dem riesigen aufgestachelten Pöbel und den paar moralisch und intellektuell tapferen und ehrenvollen Kämpfern reichen, um sie sehr leicht zu zermalmen. 

 

Auch, weil im Laufe des Kampfes jene die Seiten wechseln, die nur auf der Seite der Sieger stehen wollen und sonst im Grunde keine eigene Meinung und daher auch keine Haltung haben.

 

Warum irrationaler Hass rational erklärbar ist

 

Die Angriffe auf Politiker:innen, die dem Populismus widerstehen, grenzen oft an Entmenschlichung. Doch sie folgen einer nachvollziehbaren Logik:

  • Schamvermeidung: Statt Unsicherheit einzugestehen, wird der Überbringer der Komplexität angegriffen.

  • Bedeutungsverlust: Kruglanski zeigt, dass Menschen radikal werden, wenn sie das Gefühl haben, keine Bedeutung zu haben — Populismus bietet ihnen sofortige Aufwertung.

  • Anerkennungsentzug: Honneths Theorie erklärt, warum das Gefühl, „nicht gesehen“ oder „nicht ernst genommen“ zu werden, Aggression und Ressentiment hervorruft.

Intellektuell wahrgenommene Poltiker:innen, ganz besonders Frauen, verkörpern für viele Menschen genau die Instanz, die ihnen ihren Bedeutungsmangel bewusst macht — deshalb ist der Hass nicht politisch, sondern psychodynamisch.

 

Die mediale Verstärkung: Beschämung als Unterhaltungsformat

 

Die Medienlandschaft trägt zu diesem Prozess bei. Talkshows und Titelseiten, die Differenziertheit und guten Stil als Schwäche erkennen und die Auslegung von Lösungen bis zur Unkenntlichkeit verzerren ("Habecks Heizhammer"), verlieren nicht zufällig an Niveau: Sie bedienen einen Emotionsmix, der gut performt, aber gleichzeitig schlecht für die Demokratie ist. Doch das ist ihnen egal: Den einen geht es nur um Quote, den anderen darum politische Gegner auszuschalten ("please make FDP great again").


So entsteht ein Nährboden, auf dem sich alte Wahrheiten bestätigen:

Wut ist mitreißend - und selbst der Klügste gibt irgendwann nach.

In digitalen Räumen bricht sich die Rache für die Beschämung ungehindert Bahn — Häme, Memes, Parodien, Gesichtsverzerrungen, Kinderbuchvergleiche.


Baerbock und Habeck waren und sind ideale Projektionsflächen für ein Publikum, das die eigene Unsicherheit nicht reflektieren, sondern loswerden will. Gehen sie juristisch gegen Hassrede vor, jammert der radikale Pöbel, dass man in diesem Land noch nicht einmal jemanden beleidigen dürfe. 

 


 

Kann man Wahlen heute noch ohne Populismus gewinnen?

 

Die ernüchternde Antwort lautet: Wahrscheinlich nicht — jedenfalls nicht mit rein rationaler Kommunikation. Klugheit und guter Stil allein überzeugen keine Massen.


Moralische Appelle beschämen mehr Menschen, als sie motivieren.
Fakten erreichen nur diejenigen, die ohnehin empfänglich sind.

 

Aber das heißt nicht, dass man sich dem primitiven Populismus ausliefern muss.


Es bedeutet, dass die Demokratie eine neue Kompetenz entwickeln muss:

→ intelligenten Populismus.

 

Nicht im Sinne von Lügen, Vereinfachung oder Abwertung.
Sondern im Sinne von empathischer, narrativer, resonanzfähiger Ansprache, die drei Dinge verbindet:

  1. Würdeorientierung:
    Menschen müssen sich gesehen fühlen, nicht entlarvt.
    Nicht: „Ihr versteht Komplexität nicht.“
    Sondern: „Wir gehen das gemeinsam an.“

  2. Narrative statt Statistiken:
    Menschen denken in Geschichten, nicht in Zahlen.
    Demokratische Politik verliert, wenn sie nur erklärt, statt erzählt.

  3. positive Identitätsangebote:
    Populismus siegt, weil er Zugehörigkeit bietet.
    Intelligente Politik muss Zugehörigkeit schaffen, ohne Schuldige zu entlarven.

Rationalität ist nicht genug, Emotionalität ist nicht verwerflich, und Komplexität muss übersetzt werden, ohne sie zu verfälschen.

 

Die Demokratie darf lernen, was der Populismus längst verstanden hat:

 

Dass Menschen nicht nur nach Wahrheit suchen —
sondern auch nach Würde, Bedeutung und Resonanz.

 

Im Wahlkampf hat man bei den Massen nur eine Chance, wenn man den politischen Gegner darin übertrumpft, ein GUTES GEFÜHL, also STOLZ und SELBSTBEWUSSTSEIN auch bei jenen zu erzeugen, die diese Gefühle nicht aus eigener Kraft herbeiführen können. Offensichtlich braucht man die Springer-Presse dabei zwingend auf seiner Seite. Diese ist mit ganzseitigen Anzeigenbuchungen zu überzeugen, also muss man sehr viel Geld ausgeben. Andererseits: wenn man extrem viel Geld hat, braucht man die Springer-Verlage und ihre Meinungsführerschaft noch nicht einmal zu kaufen, denn CEO Döpfner bejubelt einen dann nämlich auch ohne, dass man etwas springen lässt.

 

Warum Tugendhafte Hass ernten – und Clowns nicht

 

Es ist ein bemerkenswertes Muster, dass die lautesten, widersprüchlichsten oder geradezu clownesken Figuren erstaunlich wenig echten Hass auf sich ziehen. Man belächelt sie, verspottet sie, nutzt sie als Projektionsfläche für politische Erleichterung – aber sie werden selten zu Objekten existenzieller Feindseligkeit. Die Wucht des Hasses richtet sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf ganz andere Menschen: auf diejenigen, die sich bemühen, seriös zu wirken, komplexe Zusammenhänge erklären und moralisch konsequent handeln.

 

Das klingt paradox, wird aber psychologisch betrachtet, relativ schnell klar.

 

 

Lächerlichkeit entlastet – Kompetenz beschämt

 

Menschen empfinden selten Hass gegenüber jemandem, der sich selbst entwertet.

 

Denn offensichtlich dumme und hässliche Menschen geben ihnen das Gefühl der Überlegenheit. Ganz einfach. Und schöne und kluge Menschen geben ihnen das Gefühl der Unterlegenheit. 

 

Überlegenheit ist eine psychologische Komfortzone: Man fühlt sich sicher, nicht bloßgestellt, nicht herausgefordert. Und je spektakulärer Clowns wie Trump und Johnson oder Grillo auftreten, desto amüsanter wird es. Der Westen wird daran erinnert, was das Volk braucht: Brot und Spiele. Der Gesetzgebungsprozess interessiert die Wenigsten.

 

Hitler wurde bis 1933 in weiten Teilen belächelt und als Popanz bezeichnet, als böhmischer Gefreiter mit bescheuertem Schnauzer und nur eine Minderheit nahm ihn ernst. Er gab den Minderbemittelten, Arbeitlosen, Hoffnungslosen und vom ersten Weltkrieg Traumatisierten wieder Stolz und das Gefühl durchaus etwas Besseres zu sein, nämlich die Herrenrasse, die so gewaltig sei, dass sie mehr Lebensraum im Osten brauche und weil der Plebs Intellektuelle hasst und erst recht welche, die auch noch reich sind, hielt er ihnen die Juden zum Hassen hin und vernichtete sie, weil ihn keiner mehr daran hindern konnte.

 

Und bis heute nehmen weite Teile der Menschen in der Welt Trump nicht ernst. Warum auch? Er ist die Lächerlichkeit und Unzuverlässigkeit in Person. Wahrscheinlich machen sie gerade den selben Fehler, wie die Deutschen im Dritten Reich: Sie denken, es wird schon nicht so schlimm werden, weil der gesunde Menschenverstand und ihre demokratische Verfassung sie schützt. Während er dem wütenden Mob die Einwanderer zum Fraß vorwirft. Seine ICE tritt auf die die SA und das demokratische Amerika ist gelähmt vor Entsetzten und innerhalb kürzester Zeit ist es zu spät: Wer sich wehrt verliert seinen Job, wandert ins Gefängnis oder wird aus dem Land abgeschoben.  

 

Putin sprach offen aus, dass der Zusammenbruch der UdSSR für ihn die größte Katastrophe war. Gescheitert, gedemütigt und gekränkt hatte er bis heute 35 Jahre Zeit, sich zu rächen.  

 

Hass entsteht, wenn Menschen sich klein fühlen

 

Hass ist selten eine Reaktion auf das objektive Verhalten eines Menschen, sondern auf die subjektive Bedeutung, die ihm zugeschrieben wird. Wer uns zwingt, uns mit unseren Defiziten zu konfrontieren, wird schnell zum Feindbild. Wer uns hingegen erlaubt, uns im Vergleich größer und souveräner zu fühlen, bleibt unbehelligt.

Deshalb trifft der Hass so gnadenlos ausgerechnet jene, die Kompetenzen verkörpern, die viele als fern und unzugänglich empfinden: analytisches Denken, moralische Kohärenz, internationale Souveränität, sprachliche Präzision.

Sie erinnern an das, was man selbst nicht hat – oder nicht hat sein dürfen. Und das ist eine tiefe Kränkung.

 

Scham ist der Motor - und Stolz die Erlösung

 

Die Forschung zeigt, dass Menschen nicht aggressiv werden, weil sie zu wenig wissen, sondern weil sie sich gekränkt fühlen. Scham entsteht dort, wo Selbstwert und soziale Anerkennung kollidieren. Wenn eine Person als zu klug, zu moralisch, zu weltläufig wahrgenommen wird, kann sie – ohne ein Wort zu sagen – zum emotionalen Gegenpol werden. 

 

Der deutsche Osten hat sich wirtschaftlich erholt mit Hilfe der Gelder aus dem Westteil Deutschlands und vieler Programme der Europäischen Union un dnur, wer ihm Stolz und Würde gibt, wird gewählt - das ist klar und deutlich abzulesen. 

 

Lächerliche Figuren bestätigen das eigene Selbstbild: „Wenn der das darf, darf ich es auch.“ Das ist wohltuend. Kompetente Figuren hingegen erinnern an das eigene Nicht-Können. Das ist schmerzhaft. Und Schmerz sucht ein Ventil.

 

Warum die Lächerlichen so viele Stimmen sammeln

 

Man muss die Populisten nicht mögen, um den psychologischen Mechanismus hinter ihrem Erfolg zu verstehen. Sie bieten Menschen eine Bühne, nicht eine Herausforderung. Sie sagen: „Ich bin wie ihr.“ Sie machen Politik nicht schwer, sondern leicht verdaulich und sie machen aus Hass mit sehr einfachen Mitteln Stolz.

 

Die politische Funktion des Witzfigurhaften ist deshalb nicht Zufall, sondern Wirkung: Es verhindert Beschämung – und schafft Nähe.  

Der aktuelle Vorsitzende der AfD ist gelernter Maler und Lackierer und seine Co-Vorsitzende ist zwar eine lesbische Bankerin, mit einer Migrantin in der Schweiz verheiratet, was sie zunächst nicht mehrheitsfähig erscheinen lässt, aber sie drückt sich so dermaßen platt aus, sodass auch der platteste gesellschaftliche Bodensatz ihr folgen kann und in ihrer Perlenkette sogar ein Indiz für weibliche Führungsstärke zu erkennen glaubt.

 

Mehr bzw. WENIGER braucht man aktuell nicht, um von knapp 30 % der Wahlberechtigten in Deutschland für die Führungsrolle in Frage zu kommen.

 

Wer hingegen Differenziertheit anbietet, macht die Welt für den sozialen Bodensatz nicht einfacher, sondern komplizierter und dann fühlt er sich wieder schlecht. Er will herabschauen können auf etwas, das noch tiefer steht als er und er will eine Regierung, die das Niedere bekämpft mit übertriebenen Getöse, um vom eigenen Versagen abzulenken. Das alles bietet der Populismus.

 

Was daraus folgt – kommunikativ wie politisch

 

Wenn Intellektuelle, reflektierte Politiker oder kompetente Führungspersönlichkeiten bei den Beschämten punkten wollen, brauchen sie eine neue Form der Ansprache. Nicht weniger klug, sondern emotional anschlussfähiger. Nicht im Sinne plumper Vereinfachung, sondern klarer Resonanzangebote.

 

Es braucht eine Sprache, die die Würde der Entehrten nicht verletzt, sondern heilt (ihnen womöglich Amnestie verspricht) und ihnen Orientierung in Form von einfachen Leitlinien gibt, an dem sie sich wie an einem unsichtbaren Geländer festhalten können, wie einst am Wort des Pastors am Sonntag in der Kirche, einem, der idealerweise auch noch so lustig aussieht aussieht wie Don Camillo. Eine Kommunikation, die auch minderbemittelte Menschen nicht entlarvt, sondern mitnimmt. 

 

Also eine Art „humanistischen Populismus“: eine emphatische, nicht herablassende Form der Vereinfachung, die die Menschen nicht klein macht, sondern ernst nimmt – gerade dort, wo sie überfordert sind und der ihnen die emotionale Hand ausstreckt und sie bei ihrem Gefühl berührt und nicht an ihre Vernunft appelliert. Sie wollen. Entlastung und nicht noch schwerere Aufgaben.

 

Und vielleicht erklärt ihnen einmal jemand, dass Arbeitsplätze und Prosperität nur dort entstehen, wo Menschen gerne leben wollen, siehe München. In Gegenden wo zwar die Häuser schön sind, aber die Einwohner mit Fackeln und Mistgabeln auf Zugereiste Arbeitskräfte zugehen, anstatt sie zum Essen einzuladen, wird es keine (weiteren) zukunftsfähigen Wirtschaftsinvestitionen geben. Und nun muss man das noch so verpacken, dass sie sich nicht in ihrem Stolz gekränkt fühlen, sondern als Aufbruch verstehen, als Ärmel hochkrempeln und als Appell an ihre großen Tugenden: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut"

 

 

 

Wie man Wahlen gewinnt:

Wer also in einer solchen Atmosphäre politische Mehrheiten gewinnen will, darf nicht nur Recht haben. Er oder sie darf vor allem nicht zu klug erscheinen, nicht zu schön und nicht zu edel; er  oder sie muss zudem austeilen können und in Schlagzeilen argumentieren, sodass die Leute es sich merken und ständig wiederholen können, damit es verinnerlicht wird. Insgesamt muss er oder sie mit allen Mitteln hohe Aufmerksamkeit erringen und zwar nicht nur bei den politisch Interessierten. 

 

Und er oder sie sollte möglichst auch sehr viel Geld haben, um die Springer-Presse auf die eigene Seite ziehen zu können.

 

 

Ein eigener "Reptilien-Fonds" wie bei Bismarck wäre also nicht schlecht, aber es geht auch ohne.

 

(Übrigens: Der SPD kann ich nur raten, sich zukünftig radikal auf die Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu stellen, sonst wird sie 2029 im Osten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und keiner wird ihr eine Träne nachweinen. Sie wird im selben Maße ehrenlos untergehen, wie sie 1933 noch ehrenvoll und mutig gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat und spätestens 2033 ganz weg vom Fenster sein.)