Die dunkle Seite der Macht - Stranger Wars

 

Das Finale der fünften Staffel der furiosen Netflix-Serie "Stranger Things" wurde zum Jahreswechsel gestreamt und obwohl ich weder Teenager- noch Horrorfilme mag, fand auch ich diese Serie extrem faszinierend. Relativ schnell entwickelte ich eine Theorie...

Die dunkle Seite der Macht / Upside Down

Kann es sein, dass die Schöpfer von "Stranger Things" uns zeigen wollten, wie überlebenswichtig es für die Menschheit ist, dass sich unsere Kinder aus ihrer virtuellen Horror-Parallelwelt befreien, die sie mit immer neuen Tricks zu verschlingen droht?

 

Die Serie spielt in den Achtzigern, also vor dem Durchbruch des Internets. Meines Erachtens wurden wir Zuschauer fünf mehr oder weniger langatmige Staffeln lang Zeugen, wie eine Handvoll Teenager-Außenseiter ihre Kindheit opfern, um die reale, analoge Welt vor den bösartigen Gefahren aus der virtuellen Realität zu retten. 

 

Ausschließlich ausgestattet mit den klassischen Tugenden Loyalität, Mut und Bildung, die sich in Form von unerschöpflichem Erfindergeist zeigt und begleitet von aufopferungsvollen Eltern, die mit dem Mut tiefster Verzweiflung aus ihrer Taten- und Hilflosigkeit herausfinden. Mit nur sehr wenigen weiteren Kampfgefährten rettet die Gruppe dann ihre kleine Stadt und damit die ganze Welt. 

 

Im Mittelpunkt des Freundeskreises steht ein kleines Mädchen mit unfreiwillig erworbenen Superkräften (vgl. The Boys"), die mit der Zeit und durch die Unterstützung ihrer Freunde und ihres Stiefvaters immer stärker und machtvoller wird.

 

Hilfe erhält die Gruppe noch von einem klugen und liebenswerten Lehrer und von einem listigen und lustigen Verschwörungstheoretiker namens Murray, der nicht ganz unzufällig auch Russisch kann.

 

Gemeinsam führen sie interdimensionale Kämpfe gegen einen militärisch-industriellen Komplex, der heimlich Kampfmittel erforscht und dabei ungeheuerliche Wesen aus anderen Dimensionen heraufbeschwört (vgl. "Ziz") um sie als Waffe gezielt gegen die Sowjetunion einzusetzen. 

 

Natürlich geht das schief und die freigesetzten, dunklen Mächte der Finsternis entkommen ihrer eigenen virtuellen Dimension, schlagen tiefe Schneisen der Verwüstung in die reale, analoge Kleinstadtwelt und versuchen sich der Kinder zu bemächtigen.

 

Level um Level entwickeln sich die furchterregenden Bedrohungen weiter. Schon bald beherrscht das Militär diese nicht mehr und muss mitansehen, wie die Sowjets ihrerseits ebenfalls an einer mehrdimensionalen Waffe arbeiten, die sie auch nicht beherrschen können und beide Seiten versuchen zwischenzeitlich nur noch, die sich öffnenden Spalte, durch die die tödlichen Energien und Wesenheiten immer wieder in die reale Welt einzudringen versuchen, zu schließen.

 

Doch die Mächte der Finsternis finden immer neue Wege, um in die Welt der Kinder zu gelangen und diese zu neuen, für sie nützlichen Menschen zu machen. Die gelingt auch immer wieder deshalb, weil Militär/Industrie nicht davon ablassen, Experimente zu machen, in der Hoffnung, endlich doch noch das Böse zu beherrschen und für seine Zwecke instrumentalisieren zu können.

 

(Stange: Terminator-Star Linda Hamilton hat die Seiten gewechselt und wurde von der Kämpferin gegen die Maschinenmacht zum technikbesessenen (technologieoffenen?) Büttel einer im Geheimen agierenden Junta).

 

Aber auch die Kinder lernen dazu und rüsten auf. Staffel für Staffel kristallisiert sich heraus, dass sie nur dann gegen das Böse bestehen können, wenn sie aufhören, Angst zu haben. Wunderschön...


Ich finde, das klingt ziemlich genau nach meiner These, dass die Kinder unbedingt raus aus dem Virtuellen Kinderzimmer müssen, um die gesamte Menschheit und die Zukunft des Planeten zu retten und dass ihre Eltern, die Wissenschaft und etwas Humor dabei unerlässlich sind. Und dass diese auch aufhören sollten, angstgesteuert zu handeln. (Sondern: "habe Mut...")


Leben wir in der Matrix? Wollen wir die blaue Pille?

 

Dreißig Jahre nach "Matrix" ist der Verdacht, dass wir Normalbürger mit einer schönen, bunten, digitalen Scheinwelt abgespeist werden sollen, damit wir nicht merken, dass wir bloß noch als kritiklose Arbeitnehmer und Konsumenten gebraucht werden, spannend und schauerlich als Fernsehserie umgesetzt worden, finde ich. Heute betrachten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene die virtuelle Realität als ihre wirkliche Welt und die meisten haben kein Interesse daran, die rote Pille zu schlucken, die ihnen die Augen für die wahre Natur ihres Schein-Daseins öffnen würde. Sie ziehen die genussvolle Empfindung von virtuellen Steaks vor, anstatt die profane Hafergrütze zu essen, die ihnen das richtige, analoge Leben vorsetzt. Verschwörung?

Surrogates - Ersatzmenschen

16 Jahre nachdem "Surrogates - mein zweites Ich", mit Bruce Willis in der Hauptrolle, in die Kinos kam und 20 Jahre, nachdem die Geschichte als Comic von Robert Venditti und Brett Wedele erschien, wird auch deren visionäre Kraft deutlich: Alle Menschen liegen im Schlafanzug zuhause herum und interagieren in der Außenwelt nur noch mithilfe von teuren, optimierten Stellvertreter-Robotern, die sie über ein Interface von zuhause aus steuern. Sie verlieren jeden Bezug zueinander, verlernen dadurch auch, mit menschlicher Schwäche umzugehen und Spaß im Leben zu empfinden.

 

Die künstlichen Menschen wirken strahlend, leistungsfähig und alterslos - das menschliche Dasein erscheint dagegen wie etwas, dem man unbedingt entkommen möchte.  Diesen Menschen ist es wichtig, nach außen den schönen Schein zu wahren, weil sie sich selbst für unperfekt und damit für wertlos halten.

 

Star Wars - Das dunkle Imperium

Vierzig Jahre nach Star Wars können wir Europäer deutlich erkennen, was George Lukas mit der "Dunklen Seite der Macht" gemeint hat.

 

Die Macht des Volkes ist in Demokratien sehr stark. Das Volk hat sich trotz des schlechten Beispiels aus Deutschland wieder einmal für einen Wolf im Schafspelz entschieden. Aber der Nazi-Wolf ist schon einhundert Jahre her und zwischenzeitlich wurde auf Bildung nicht mehr viel Wert gelegt, auch nicht auf Herzensbildung. Dies überließ man Programmen, Trollen, Bots und Algorithmen, gegen die menschliche Lehrkräfte keine Chance hatten.

 

Wobei der Verdacht naheliegt, dass die treibende Kraft des orangen Imperators nicht unbedingt der Wille zur Unterwerfung der Menschheit ist, sondern vor allem Profitgier. Vielleicht sieht daher die bizarre Herrschergestalt in den USA aus wie eine Mischung aus Jabba, dem kriminell-kapitalistischen Hutten und dem fiesen Imperator.