
Pöbelherrschaft
Haben wir unseren Zenit tatsächlich schon überschritten und befinden uns wirklich bereits im Zeitalter der Postdemokratie, wie Colin Crouch es bereits 2008 behauptete? Und warum glauben so viele, dass man keine Demokratie zum Glücklichsein braucht?
Schon Platon hatte Sokrates zitiert, wie dieser im Dialog mit Glaukon zuerst die Demokratie lobt, aber dann sagt: "Wenn aber die Freiheit allzu maßlos wird, so wächst aus ihr, wie aus einem Übermaß, die größte und wildeste Knechtschaft. Denn überall pflegt aus dem äußersten Übermaß das Gegenteil zu entstehen. So entspringt aus der Demokratie die Tyrannis." Spätere Interpreten sprachen von der "ruinösen Pöbelherrschaft".
Aristoteles beschreibt in seiner Politik, dass jede gerechte Staatsform entarten kann, wenn sie nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern den Interessen Einzelner dient. So wird aus der Monarchie eine
Tyrannis, aus der Aristokratie eine Oligarchie und aus der Demokratie eine entartete Volksherrschaft. Der Begriff der Korruption, wie ihn Aristoteles verstand, hatte ursprünglich nichts mit
Bestechung zu tun, sondern mit einer moralischen und funktionalen Entgleisung: dem Verlust des Maßes.
Dekadenz, Verderbnis und Korruption
Jean-Jacques Rousseau greift diesen Gedanken im 18. Jahrhundert auf. Seine „sanfte Verderbnis“ (la corruption douce) meint nicht das plötzliche Verbrechen, sondern den schleichenden moralischen Zerfall, wenn Luxus, Besitzstreben und Bequemlichkeit den Sinn für das Gemeinsame verdrängen. Montesquieu nennt das den Verlust der „politischen Tugend“: Die Gesetze bleiben, aber sie sind nur noch Hüllen, in denen kein Geist der Gleichheit mehr wohnt.
Hannah Arendt beschreibt Korruption wiederum als ontologischen Vorgang: als den Moment, in dem Macht in Besitz übergeht. „Die Korruption beginnt dort, wo Menschen ihre Macht als Eigentum betrachten, statt als Teil eines gemeinsamen Handelns.“ Für Arendt ist die eigentliche Gefahr der Moderne nicht die offene Tyrannei, sondern die Verwandlung des öffentlichen Raums in einen Markt – der Übergang von der Polis zur Ökonomie.
In der Gegenwart hat Lawrence Lessig diesen Zustand als "systemic corruption" bezeichnet: eine legale, institutionalisierte Form der Abhängigkeit, bei der politische Aufmerksamkeit an Geld gekoppelt ist. Michael Sandel spricht von den „moralischen Grenzen des Marktes“ – dort, wo die Logik des Kaufens und Verkaufens in Bereiche vordringt, die eigentlich moralischer Natur sind. Und bei Jürgen Habermas heißt das „Kolonialisierung der Lebenswelt“: Wenn ökonomische Rationalität die kommunikative Vernunft ersetzt, verliert das Politische seine innere Moralität.
Die Normalisierung des Vorteils als Karrierebooster
In dieser Lage beginnt das Konzept der „legalen Korruption“ aufzublühen – nicht als Skandal, sondern als gesellschaftliche Gewöhnung. Wenn ehemalige Minister, Abgeordnete oder Regierungsberater nach ihrer Amtszeit lukrative Posten in genau jenen Konzernen erhalten, deren Interessen sie zuvor vertreten haben, handelt es sich nicht mehr um klassische Bestechlichkeit, sondern um ein System der Erwartung: Politik wird zur Durchgangsstation zwischen öffentlicher Verantwortung und privatem Nutzen - quasi als Karrieresprungbrett.
Wie viele hochrangige deutsche Politiker bekommen nach ihrer Amtszeit lukrative Aufsichtsratsposen bei Konzernen? Und warum? Weil sie gut im Dienst der Allgemeinheit wirtschaften konnten?
Schaut man auf die Basis und weiß man, dass Geld und Macht immer vom "Kleinen Mann"* ausgehen, von seiner Kaufkraft, seinen Einkommenssteuern und seinem demokratischen Wahlverhalten, sieht man auch, dass wir als Bürger eine ähnliche Form der Entartung bereits durchlaufen haben: Spätestens seit der totalen digitalen Durchtränkung unseres Privatlebens werden wahlberechtigte Bürger nur noch wie Kunden behandelt, die ihnen etwas abkaufen sollen und deren politische Meinungs- und Willensbildung wird nach dem Prinzip "Viel hilft viel" mit mehr oder weniger subtiler Werbung/Propaganda beeinflusst.
Die praktische Politik wirkt nur noch wie ein Schlachtfeld, auf dem wirtschaftliche Interessen nicht einmal mehr ausgefochten, sondern einfach schlichtweg ausgesessen oder (per Dekret erlassen) diktiert werden und das Allgemeinwohl gerät in Vergessenheit – selbst bei der Allgemeinheit.
Die Öffentlichkeit reagiert darauf erstaunlich gelassen. Nur kurz flammt Empörung auf, dann tritt der Gewöhnungseffekt ein. Die Menschen lernen: Wer Macht hat, nutzt sie. Wer moralisch zögert, gilt als naiv. Das politische Amt erscheint nicht mehr als Dienst am Gemeinwesen, sondern als konsequenter (folgerichtiger, vernünftiger?) Karriereschritt in eine privatwirtschaftliche Zukunft.
Was früher die Kategorie des „Ehrenmannes“ war – jemand, der gerade nicht zugreift –, verwandelt sich in die Kategorie des „Klugen“, der weiß, wie man Chancen nutzt. So entsteht ein neues Ideal: nicht Tugend, sondern Effizienz; nicht Verantwortung, sondern Renditekompetenz.
Bewunderung statt Abscheu
Warum wird das nicht als moralischer Verfall empfunden? Weil die kulturelle Werte-Matrix sich verschoben hat: Der ökonomisch denkende Mensch gilt als Realist, der „weiß, wie man mit Geld umgeht". Er gilt als handlungsfähig – und Handlungsfähigkeit hat in einer beschleunigten Welt mehr Ansehen als Integrität. Alle anderen werden nicht einmal harmlose naive Idealisten beschimpft, sondern als "Gutmenschen, deren woke Ideologie uns tyrannisiert" geframed.
Wie wirkungsvoll dieses Konzept ist, kann man in der dreiteiligen ARTE-Dokumentation Kapitalismus made in USA* äußerst unterhaltsam nachvollziehen. Und man erkennt genauer, warum der Begriff "American Way of Life" direkt mit den Begriffen "Demokratie" und "Freiheit" verknüpft wurden.
In einer Kultur, die Wettbewerb und Eigenverantwortung betont, wird moralisches Verhalten oft als persönlicher Luxus betrachtet, nicht als gesellschaftliche Notwendigkeit. Nach zahllosen Enthüllungen über Lobbyismus, Steuertricks, Absprachen und Nebeneinkünfte stumpft die öffentliche Wahrnehmung ab. Was nicht strafbar ist, scheint akzeptabel.
Die Konsequenz ist erstaunlich leise, aber tiefgreifend und beunruhigend: Eine Generation wächst heran, die Politik nicht mehr als moralische Aufgabe, sondern als ökonomisches Spielfeld begreift. Der Satz „Man muss sich auch mal etwas gönnen“ ersetzt das Ideal von Maßhalten im Dienst der Allgemeinheit. Und wiedereinmal entsteht der Verdacht: “Der Ehrliche ist der Dumme”.
Aristoteles hätte das eine Form von hybris genannt – Maßlosigkeit. Rousseau hätte gesagt, die Republik sei unersättlich geworden. Arendt hätte darin den Verlust des Gemeinsinns erkannt.
Und wir Wahlberechtigte heute? Wir nennen es wohl bald nur noch schulterzuckend „vernünftige Karriereplanung“.
So gesehen, ist „legale Korruption“ kein Widerspruch, sondern das Zeichen einer Zeit, in der Verantwortung in Rendite und Gemeinsinn in Kalkül übersetzt werden.
Die alten Formen der Tyrannis kehren zurück – sowohl als Person auf einem Thron, wie man an Trumps grotesk-albernen KI-Selbstinszenierungen und seinem Politikstil erkennen kann. Praktisch kann man den USA den Status der Pöbelherrschaft spätestens seit der zweiten Amtszeit Trumps attestieren - als auch als System, das sich selbst für alternativlos hält. Galten Demokratie und Menschenrechte einst als unumstößliche Ideale, sind diese Zeiten nun vorbei.
Es ist die Tyrannis des kalkulierten egoistischen Vorteils. Und sie entsteht merkwürdigerweise nicht gegen den Willen der Menschen, sondern durch ihre Gewöhnung. Diese wiederum sorgt dafür, dass Manipulationen durch Werbung und Desinformation tatsächlich verfangen, während Instrumente der Klugheit und Vernunft abstumpfen, bis der Glaube an die Wirkungskraft von Tugenden wirklich naiv und lächerlich erscheint.
Die Aufmerksamkeits- und Empörungsökonomie des Internets und der Sozialen Medien, innerhalb derer die kleinen Leute gegeneinander und vor allem gegen Minderheiten aufgehetzt werden, dient als prachtvoller Nebenkriegsschauplatz voller Ablenkungsmanöver.
Wo Aristoteles noch vor der Maßlosigkeit des Einzelherrschers warnte, müsste man heute sagen: Die neue Tyrannis ist die Maßlosigkeit der Systeme selbst.
Im Grunde ist es m.E. nur ein einziges System in unterschiedlicher Ausprägung.
1. US-Kapitalismus: Konsumfreude bis zum Exzess auf dem Weg zur libertären Oligarchie/Plutokratie (
2. Turbokapitalismus der Volksrepublik (!) China
3. waschechte Plutokratie in Russland und
4. mehr oder weniger soziale Marktwirtschaft in Europa/Canada/Australien.
Sie kämpfen gegeneinander, obwohl sie gleichzeitig die Kaufkraft der Bevölkerungen erhalten müssen, denn die sind als ABSATZMÄRKTE (noch) unverzichtbar.
Ihr Gott ist das Wachstum, ihre Moral ist der materielle Erfolg (vgl. engl. Fortune = Vermögen), ihre Sprache ist nur noch ein einziger Euphemismus ("alternatiive Fakten"). Demokratie und eine freiheitlich-demokratische Verfassung wie unser Grundgesetz stören dabei nur.
So gesehen wundert es kaum noch, dass Politiker auch in Deutschland immer unverhohlener am Erhalt ihrer Macht kleben, offensichtlich nur zum Zwecke der persönlichen Bereicherung und der ihrer Clique (Klasse?) und gleichzeitig keinen Wert mehr darauf legen, Politik im Sinne des Gemeinwohls zu gestalten, weil sie sehen, die verfügbaren Mehrheiten geben das her.
Normalbürger, die noch keine Niedertracht wittern, sondern nur merken, wie schwach das ist, ergeben sich entweder in einen Fatalismus (ist doch eh alles vergebens) oder entwickeln eine gesteigerte Sehnsucht nach einem starken Führer, der endlich aufräumt, aber nicht zum Wohle aller, sondern nur zum Wohle – das sind sie wieder – ihrer eigenen Interessen. Oder sie kanalisieren ihr Unbehagen auf dem niedrigsten Niveau und mit den niedrigsten Hemmschwellen.
Der Kreis schließt sich.
Verschwörungstheorie für Arme
Man könnte auch sagen, die Kreise schließen sich, denn der Uferlosigkeit unendlichen, ökonomischen Wachstums stehen - sobald moralische Bedenken demnächst vollkommen ausgeräumt sein werden – nur noch zwei Begrenzungen**** gegenüber:
1. die Endlichkeit der Ausbeutungsfähigkeit der Erde. Aber das ist nur ein Problem für Menschen, die über das Überleben ihrer eigenen Generation hinaus denken.
2. Die Endlichkeit der Ausbeutungsfähigkeit des Menschen. Doch Probleme mit menschlicher Ausbeutung gibt es nur in demokratischen Systemen und in sozialen Marktwirtschaften, die ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gewisse Rechte zugestehen, die sich in den letzten 100 Jahren gegen den Willen der Arbeitgeber doch deutlich weiterentwickelt haben. In allen anderen Systemen ist menschliche Ausbeutung kein Problem: Verschleiß sorgt für frühes Ableben, was mit Blick auf die Rentensysteme von Vorteil ist.
Russland und China haben reichlich Nachschub an Arbeitskräften. China holte auch qualitativ auf: Nicht mehr nur Arbeitsbienen, sondern auch Ingenieure und Wissenschaftler. Nachdem sie sich das Knowhow aus westlichen Universitäten angeeignet haben, verwenden sie es bereits seit einer Weile sehr erfolgreich gegen die Konkurrenz (Elektronik, Solarenergie, Batteriespeicher, , Automobile).
In USA sind die Gesundheitskosten hoch und explodierten, u.a. wegen Fettleibigkeit und Drogenmissbrauch, aber anstatt die Gesundheit zu fördern, schafft man alles Soziale ab, indem man es als "sozialistisch" brandmarkt, damit die Bevölkerung deren Entfernung klaglos akzeptiert, denn seit 1945 ist sie darauf konditioniert, alles Sozialistische abzulehnen. So konnte dort nie so recht ein tragfähiger Arbeitnehmerrechte-Ast wachsen, auf den man sich setzen könnte. Gewerkschaften werden als Anarchisten gebrandmarkt. Man fährt die EE-Industrie zurück und stärkt die alten Industrien. Und damit das Volk nicht rebelliert, deportiert man Ausländer, das ist gut für das Ego von abstiegsgefährdeten Menschen und im Niedriglohnsektor ist dann auch wieder mehr Platz.
Um die Verlockungen der echten Demokratien mit ihren Sozialen Marktwirtschaften, Sozialsystemen der Wohlfahrt und Fürsorge für die eigenen nicht demokratisch-regierten Bevölkerungen einzugrenzen, schottet man sich entweder ab (DDR, Nordkorea), man lügt über die jeweiligen real existierenden Verhältnisse oder man bekämpft freiheitlich-demokratische Grundordnungen mit ihren Sozialen Marktwirtschaften, indem man sie destabilisiert bzw, deren EINIGKEIT und damit Schlag- und Überzeugungskraft verhindert.
Das alles mit den Mitteln der psychologischen Kriegsführung, Propaganda und Desinformation (RU) - oder ganz simpel durch krachenden Druck und die Wiedereinführung von Zöllen (USA) oder durch konkurrenzlos billige Preise (CHINA).
Möglichst so massiv, dass die tugendhaften, aber trägen und dadurch schwachen Europäer in ihren zersplitterten Nationalstaaten und ihren starken Arbeitnehmerrechten nicht schnell genug hinterherkommen. Dies beobachten wir seit mindestens 20 Jahren immer klarer und genauer. Europas Stärken sind auch seine Schwächen.
Aktuell will Deutschland es allen Recht machen: Es setzt überraschend schamlos ein neoliberales Wirtschaftsprogramm zugunsten der veralteten Fossilindustrie und zulasten der Arbeitnehmer durch. Erst gestern forderte beispielsweise die Wirtschaftsministerin öffentlich nicht nur verlängerte Arbeitszeiten, das kennen wir schon, sondern jetzt sogar offen einen schlechteren Kündigungsschutz. Und gleichzeitig gibt die Gesundheitsministerin erhöhte Krankenkassenbeiträge bekannt. Dies verursacht vor Weihnachten keine Welle des Protests, sondern wird schulterzuckend abgetan.. Siehe oben, es setzt Gewöhnung ein. Ich behaupte, dies ist ein weiterer Knackpunkt einer neoliberalen oder sogar schon libertären Daumenschraube, wie sie Oligarchen in Ost und West gern haben. Wenn das nicht hilft, marschiert man ein oder man lässt einmarschieren.
China wirkt mit seiner expansiven Wirtschaftspolitik etwas zahmer und diskreter, weil denen offensichtlich nur um Geld geht und nicht so sehr um toxische Eitelkeit, ein verletztes Ego. (Zum Thema Demütigung habe ich einen eigenen Blogartikel verfasst). Trotzdem liebäugelt es mit der Annexion von Taiwan und offenbar darf es sich die Insel ungestraft demnächst nehmen, je nachdem, wie die Sache mit der Ukraine und Grönland weitergeht..
These: Der Klimawandel ist eingepreist
Als besondere Pointe kann ich mit einer eigenen Verschwörungstheorie aufwarten: Weil das Klima-Schiff untergeht, raffen die Vermögenden verstärkt Reichtum zusammen, um für sich und ihre Clique in sicheren Zonen Habitate zu schaffen, wie man erstens am exorbitanten Reichtum der Techbros sehen kann und zweitens daran, dass sie tatsächlich wiederverwendbare Raketen bauen und vollkommen unverhohlen an Marsprojekten arbeiten.
Solange beuten sämtliche Industrien, bzw. Systeme logischerweise weiter den "Kleinen Mann" aus und der lässt sich sogar gerne ausbeuten, weil er a) auf ein Paradies als Reicher Mann im Patriarchat hinarbeitet und sich einige von ihnen sogar einbilden, sie könnten bis dahin selbst so reich sein, dass ihnen ein Platz auf einer dieser Archen zustünde. Andere lassen sich ausbeuten, weil sie sonst nicht über die Runden kommen und sie protestieren nicht, weil sie keine Kraft mehr haben.
Deshalb muss logischerweise in den Augen der Superreichen auch der Klimawandel eintreten, denn sonst lohnen sich ihre Investitionen nicht. Damit niemand bemerkenswerte Anstrengungen dagegen unternimmt, leugnen sie den Klimawandel weiter trotz aller offensichtlichen Anzeichen, für die man nicht einmal mehr wissenschaftliche Messmethoden braucht und es werden – wiederum vollkommen unverhohlen – Klimarettungsaktionen sabotiert (Kampf gegen EE). Dass denjenigen, deren Reichtum auf Öl basiert, daran gelegen ist, weiter Verbrennungsmotoren in Betrieb zu halten, liegt auf der Hand. Ihr langer Kampagnen-Arm reichte 2025 bis in die EU: das beschlossene Verbrenner-Aus bis 2025 wurde wieder zurückgenommen. All dies, mit dem Vorwand, die Automobilwirtschaft zu retten, ohne zu bedenken, wer die vielen neuen verbrenner-getriebenen Fahrzeuge ab 2025 noch kaufen soll. Qui bono kurzfristig? Die Porsches, Piechs und Quants. Wem schadet es langfristig? Der Allgemeinheit.
Am Ende brauchen Milliardäre auch auf ihren zukünftigen Archen, Inseln oder Planeten Menschen, die für sie arbeiten. Da scheint es erstrebenswert, wenn bis dahin Digitalisierung, Robotik und KI soweit herangereift sind, dass man möglichst weitreichend auf menschliche Dienstleister und Produktionskräfte verzichten kann.
Globale Vernetzung und Opium für die Völker
Da passt es ganz gut, dass alle Menschen inzwischen digital vernetzt sind und manipulative Eingriffe in ihr Denken, Fühlen und Handeln ganz und gar nicht durch eine Injektion (!) erfolgen, sondern durch kleine, zarte, indirekte Elektrostimulanzien in Form von Dopaminkicks, rund um die Uhr, überall auf der Welt, praktisch flächendeckend und uferlos (zum Thema weltumspannendes Ungeheuer habe ich einen extra Artikel verfasst).
Und jetzt werden die kleinen Leute in ihrer Privatsphäre auch noch abhängig von den KIs als Seelsorger, weil es an Orientierung, Therapeuten und Freundschaften fehlt - und dabei verdummen sie immer weiter, weil gleichzeitig Urteilskraft, kritisches Denkvermögen (NICHT QUERDENKEN!) sowie Herzensgüte verkümmern – und letztendlich verschwindet die Power, um für ihre eigenen Interessen zu kämpfen. (Zum Thema "Atomisierung von Interessen", habe ich auch schon einmal etwas verfasst).
Hinweise darauf, dass an meiner Theorie etwas Wahres dran sein könnte, ist auch, dass sich Peter Thiel (Palantir!) und Elon Musk unverblümt auf Ayn Rand beziehen, eine Autorin, die die Idee hoffähig gemacht hat, dass Einkommensteuern für Superreiche schädlich sind, aber radikaler Laissez-faire-Kapitalismus und Egoismus nicht.
Die Heritage Foundation, die Trumps Administration das US-Regierungsprogramm in Form ihrer "Agenda 2525" in die Feder diktiert hat ist Mitglied im Atlas-Netzwerk, einer Lobby-Organisation, die sich ebenfalls auf Ayn Rand bezieht und weltweit Einfluss auf Wirtschaftsordnungen nimmt, um diese, so weit wie möglich, von staatlicher Einflussnahme zu befreien.
Da sämtliche neo-liberal oder libertär geführten Wirtschaftsordnungen seit der Industriellen Revolution stets zu mehr Wohlstand bei den ohnehin schon Reichen geführt hat und nicht, wie behauptet, bei den unteren Bevölkerungsschichten ankam, könnte man diese Experimente als gescheitert betrachten. Dennoch halten diese Stiftungen daran fest und lobbyieren geduldig weiter. Denn der Erfolg der Superreichen gibt ihnen Recht. Das Allgemeinwohl ist nicht Teil ihrer Statuten.
* das Bild des kleinen Mannes ist metaphorisch gemeint und schließt alle "kleinen Leute" mit ein. Weil es aber im Text auch um das Patriarchat geht, ist dieser Begriff aus poetischen Gründen bewusst gewählt worden.
** Ein Glanzstück journalistischen Spürsinns. Wer hat ein Interesse, dass ARTE als Bestandteil des öffentlich rechtlichen, staatlich und werbewirtschaftlich nicht lenkbaren Rundfunks aus dem Bouquet der frei-empfangbaren Sender verschwindet?
*** Ihr Buch "Ursprünge totalitärer Herrschaft" liest sich heute wie eine aktuelle Dokumentation der jüngsten Ereignisse, statt historisch-philosophischer Aufarbeitung der Vergangenheit.
**** Anders Levermann begegnet diesen Begrenzungen mit seinem Konzept der "Faltung der Welt". Faltet man sozusagen seine Projektpläne zur Bekämpfung oder Milderung des Klimawandels zu kleinen Stufen oder in pragmatische, gangbare Schritte, sieht man, dass Erfolge möglich sind und sich das Korsett der Begrenzung nicht mehr so eng anfühlt. Durch erfolgreiche Schritte weitet es sich sogar, weil der Klimakolaps verschoben/aufgeschoben wird. Jeder kann die Faltung auf sein eigenes Niveau herunterbrechen und eigene Schritte einleiten - das ist es , was was jeder Einzelne tun kann, aber nicht muss. Zum Thema, warum die Untätigen ein schlechtes Gewissen entwickeln und als Abwehrmechanismus stattdessen von "Ökoterror" sprechen, werde ich selbst noch den einen oder anderen Éxtra-Text veröffentlichen.
